Kurz gesagt: Auf der DMEXCO 2026 hat Malte Landwehr von Peec AI eine Masterclass zur Sichtbarkeit in KI-Suchen gehalten. Nach den Daten seines Unternehmens zitiert ChatGPT seit dem Wechsel auf GPT-5.6 deutlich weniger Listicles, Vergleichsseiten und Reddit-Threads. Häufiger zitiert werden Preisseiten, Dokumentationen, PDFs und offizielle Quellen. Meine Sicht: Das ist keine Mode, sondern die logische Folge von zu viel Eigenwerbung in Rankinglisten. Wer heute in KI-Antworten vorkommen will, braucht prüfbare Fakten auf den eigenen Seiten, konsistente Angaben über alle Seiten hinweg und kurze, in sich geschlossene Absätze. Von einigen Tricks aus dem Vortrag rate ich ab.
Den ganzen Vortrag gibt es als Aufzeichnung auf YouTube. Er lohnt sich, auch weil er ehrlich ist: Landwehr hat vor einem Jahr selbst noch Listicles als wichtigste Maßnahme empfohlen und sagt jetzt offen, dass das nicht mehr reicht. Die Zahlen stammen aus den Messdaten eines einzelnen Anbieters. Sie sind eine Momentaufnahme, keine Naturgesetze.
Was sich laut Vortrag verändert hat
Der Kern der Beobachtungen, so wie sie auf der Bühne präsentiert wurden:
- Mehr Quellen pro Antwort: Ein ChatGPT-Chat nutzt im Schnitt 24 statt 12 Quellen.
- Gezielte Suchen auf einzelnen Websites: ChatGPT durchsucht deutlich häufiger nur eine bestimmte Domain, etwa in jedem fünften Chat.
- Listicles verlieren: Ihr Anteil an den Quellen fiel von 20 auf 8 Prozent. Suchanfragen mit „best“ halbierten sich.
- Reddit verliert: Der Anteil fiel von rund 1,5 auf unter 0,3 Prozent.
- Offizielles gewinnt: Suchanfragen mit „official“ stiegen stark. Preisseiten, Produktseiten, Dokumentationen, PDFs sowie .gov- und .edu-Domains werden häufiger zitiert.
- Eigenlob wird ignoriert: Wer sich in der eigenen Bestenliste auf Platz eins setzt, hilft nach dieser Beobachtung vor allem den Wettbewerbern auf den Plätzen dahinter.
Meine Einordnung: KI-Systeme suchen Belege, keine Behauptungen
Die Richtung überrascht mich nicht. Listicles waren eine Abkürzung. Tausende Anbieter haben Rankings veröffentlicht, in denen sie selbst vorne stehen. Ein System, das Antworten belegen will, kann mit solchen Seiten wenig anfangen. Eine Preisseite oder eine technische Dokumentation ist dagegen eine Aussage, für die ein Unternehmen geradesteht.
Für die Praxis heißt das: Die Frage lautet nicht mehr, welcher Artikel möglichst viele Suchbegriffe abdeckt. Sie lautet, ob die wichtigen Fakten über Ihr Unternehmen so auf Ihren eigenen Seiten stehen, dass ein Sprachmodell sie finden, verstehen und prüfen kann.
Was ich daraus konkret empfehle
1. Eine Zusammenfassung an den Anfang jeder wichtigen Seite
Laut Vortrag stammen 44 Prozent der genutzten Inhalte aus dem ersten Drittel einer Seite. Sprachmodelle zerlegen Seiten in Abschnitte von grob 150 Wörtern. Schreiben Sie deshalb oben eine Zusammenfassung mit höchstens 150 Wörtern, in klaren Aussagesätzen und mit ausgeschriebenen Namen statt „wir“ und „unser Produkt“. Dieser Artikel beginnt genau so.
2. Fakten konsistent halten, auf allen Seiten
Wenn ChatGPT eine einzelne Website durchsucht, liest es oft mehrere Seiten. Widersprechen sich Startseite, Preisseite und ein alter Blogartikel, verliert das Unternehmen die Deutungshoheit. Nach den Daten aus dem Vortrag stammen Preisangaben in 23 Prozent der Fälle nicht von der Preisseite, sondern von anderen Seiten desselben Unternehmens, etwa aus alten Blogartikeln oder Hilfeseiten. Prüfen Sie deshalb gezielt, wo auf Ihrer Website noch alte Preise, alte Funktionsumfänge oder alte Firmennamen stehen.
3. Preis- und Leistungsseiten ernst nehmen
Preisseiten sind laut Vortrag eine der am stärksten wachsenden Quellenarten. Das heißt nicht, dass jede Seite Preise nennen muss. Es heißt: Die Seite, die beschreibt, was Sie anbieten und für wen, sollte gegliedert sein, Fragen direkt beantworten und Aussagen belegen. Hinweise wie „ausgezeichnet von …“ gehören mit Quelle dazu.
4. Die Suchbegriffe der KI lesen
Sprachmodelle schicken im Hintergrund eigene Suchanfragen los, sogenannte Fan-out-Queries. Darin tauchen oft Kategoriebegriffe auf, die in der ursprünglichen Frage gar nicht vorkamen. Wer diese Begriffe kennt, weiß, mit welchen Worten die eigene Startseite ihr Angebot beschreiben sollte. Das funktioniert nur, wenn man viele Fragen mehrfach stellt und die Muster auswertet, nicht mit einer einzelnen Stichprobe.
5. Open-Graph-Angaben pflegen
Laut Vortrag speichert ChatGPT pro URL auch Titel und Beschreibung aus den Open-Graph-Angaben. Das sind die Felder, die sonst vor allem für Vorschaubilder in sozialen Netzwerken gedacht sind. Sie auszufüllen kostet wenig, und veraltete oder leere Angaben sind eine vermeidbare Lücke.
6. LinkedIn-Posts statt nur langer Artikel
Eine Randbemerkung mit Folgen für B2B-Unternehmen: Bei LinkedIn werden laut Vortrag inzwischen normale Posts am häufigsten zitiert, nicht mehr vor allem die langen Pulse-Artikel. Wer auf LinkedIn aktiv ist, sollte Fachaussagen also auch als kurze, faktenreiche Posts veröffentlichen.
Wo ich widerspreche
Ein Teil des Vortrags beschreibt Hebel, die funktionieren mögen, aber nicht in eine seriöse Strategie gehören:
- Behauptungen auf Reddit setzen: Landwehr zeigt, dass ein einziger Reddit-Beitrag innerhalb von zwei Tagen die Antworten der KI-Systeme verändern konnte. Das ist ein wichtiger Befund, weil er zeigt, wie leicht sich Antworten beeinflussen lassen. Als Methode, um Funktionen zu behaupten, die noch nicht dokumentiert sind, ist es riskant. Wenn die KI etwas Falsches über Sie sagt, fällt das auf Sie zurück.
- Preisseiten über Wettbewerber: Seiten, auf denen Sie die Preise eines Wettbewerbers erklären, sind rechtlich heikel. Vergleichende Werbung ist in Deutschland nur in engen Grenzen erlaubt. Sinnvoll ist dagegen, zu beobachten, ob andere solche Seiten über Sie veröffentlichen.
- Werbesätze in E-Mail-Fußzeilen: Der Vortrag berichtet, dass positive Erwähnungen im Gmail-Postfach die Empfehlungen in Googles AI Mode beeinflussen können. Den eigenen Kunden Werbesätze in die Signatur zu schreiben, damit eine KI sie liest, halte ich für einen kurzlebigen Trick, der Vertrauen kostet.
- Advertorials und Affiliate-Vorgaben: Beides wird nach dem Vortrag weiter zitiert. Ich würde mich nicht darauf verlassen. Was heute bei Listicles passiert ist, wird mit gekauften Erwähnungen ebenso passieren.
Mein Grundsatz: Was Sie einem Menschen nicht ohne Erklärung zeigen würden, sollten Sie auch nicht für eine KI bauen.
Messen statt glauben
Alle Zahlen aus dem Vortrag sind Durchschnittswerte über viele Marken. Ob sie für Ihre Branche gelten, zeigt nur eine eigene Messung: die Fragen, die Ihre Kunden stellen, regelmäßig gestellt in ChatGPT, Gemini, Perplexity und Google AI Overview, mit den vollständigen Antworten und den zitierten Quellen. Genau das macht das GEO Tool. Welche Kennzahl dabei zuerst zählt, erklären wir im Artikel über die Citation-Rate und in unserem Podcast GEO Talk.
Häufige Fragen
Funktionieren Listicles in der KI-Suche noch?
Sie funktionieren schwächer. Nach den im Vortrag gezeigten Daten sank ihr Anteil an den Quellen von ChatGPT von 20 auf 8 Prozent. Rankings, in denen der Autor sich selbst auf Platz eins setzt, werden besonders oft übergangen.
Welche Quellen zitiert ChatGPT 2026 häufiger?
Laut Vortrag vor allem offizielle Seiten der Unternehmen: Preisseiten, Produktseiten, Dokumentationen und PDFs. Dazu kommen .gov- und .edu-Domains. Reddit und Vergleichsseiten verlieren an Gewicht.
Wie lang sollte ein Absatz für KI-Suchen sein?
Eine Aussage sollte in sich geschlossen in höchstens etwa 150 Wörtern stehen. Sprachmodelle zerlegen Seiten in Abschnitte dieser Größe und zitieren am häufigsten klare, belegbare Aussagen.
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